Drei Monate im August – Skydiver Roman?

Aktualisiert: November 21, 2017
© Heller Verlag

Der Roman „Drei Monate im August“ wurde mir kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Vor einigen Wochen schrieb mich der Heller Verlag mit der Frage an, ob ich ein Buch vorstellen wolle, welches sich inhaltlich mit der Springerszene beschäftigt. Natürlich mache ich das gerne, auch wenn es im Vorfeld schon danach klang, als würde es nicht gut mit meinen üblichen Leseinteressen übereinander passen. Aber ich war neugierig, schließlich gibt es nicht sonderlich viel Literatur in dem Themenbereich, insbesondere auf Deutsch. 

Die harten Fakten zuerst: auf 415 präsentiert uns der Heller Verlag und der Autor Max Claro einen Hardcover-Roman mit Schutzumschlag, welcher originell zusammenfasst worum es primär geht: die zwei Münchner Freunde Tom und Pfiff, zwei sehr unterschiedliche Charaktere die wir einen wilden Monat aus den Augen von Tom begleiten bei BASE Sprüngen, amourösen Abenteuern mit einem vollgepacktem Sex-Rucksack, freundschaftlichen Diskussionen über Liebe & Existenz, Fallschirmsprüngen, häufigen Besuchen in der Psychiatrie und den Einsätzen als Rettungssanitäter.

Auf der Webseite des Buchs www.dreimonateimaugust.de finden Interessiert auch einige kurze Textausschnitte als Leseprobe.

Zum Autor

Max Claro war Krankenpfleger in der Psychiatrie, in der chirurgischen Notaufnahme einer großen Klinik und in Kriegs- und Krisengebieten. Er arbeitete viele Jahre im Münchner Rettungsdienst und als Profi-Fallschirmspringer in Deutschland und den USA.

Man merkt dem Buch deutlich an, dass es von jemand geschrieben wurde, der viele der beschriebenen Abenteuer so oder ähnlich erlebt hat – und es dürfte wohl mitunter autobiografische Züge enthalten.

Zum Buch

Es ordnet sich selbst mit den Stichworten Rettungsdienst, Psychiatrie, Fallschirmspringen, BASE-Springen, Lachyoga und Sex ein und handelt laut eigener Aussage von „Tom, einem erfolgreicher Kneipier und dem Anästhesie-Fachpfleger Pfiff, die in ihrer Freizeit mit dem Fallschirm aus Flugzeugen, von Brücken und Gebäuden springen. Ihre zweite große Leidenschaft gilt dem Rettungsdienst. Skurrile Einsätze und amouröse Abenteuer pflastern ihren Weg. Langeweile ist der größte Feind der beiden Adrenalinjunkies“.

Hat mir das Buch gefallen? Da bin ich zwiegespalten. Der Grundgedanke ist nett, aber die Story konnte mich einfach nicht fesseln. Und das ist für mich eins der Kernelemente eines guten Buches, die Geschichte muss mich in ihre Welt ziehen, so dass ich alles um mich herum ausblenden kann. Ich hatte sowas schon zu Anfang befürchtet, fällt das Setting doch komplett durchs Raster der Bücher/Genres die ich gerne und viel lese. Leider haben mich die verschiedenen und teils hanebüchenen Erlebnisse alleine schon aufgrund ihrer Anhäufung irgendwann genervt und ich musste das Buch nach der Hälfte weglegen (dazu im Spoiler Teil mehr).

Aber: das ist nur meine persönliche Meinung, denn Bücher sind nunmal Geschmackssache. Es gibt auch andere Meinungen. Das Interview mit dem Autor bei Buchszene.de ist empfehlenswert um ein Gefühl dafür zu bekommen, dass hier nicht nur Fantasie am Werke war, sondern Max Claro auch selbst einige wilde Geschichten zu erzählen hat.

Nun was hat mich eigentlich am Buch gestört (ACHTUNG: Spoiler Alarm)

Kurze Warnung: klappt den Spoiler wieder zu, wenn ihr das Buch noch lesen wollt! Ich gebe nur meine persönliche Meinung wieder, nach der ich ja gefragt wurde – aber sie enthält eben auch Storydetails.

1. Das hier beinahe in James Bond Manier innerhalb von einigen Tagen eine verwegene Geschichte die nächste jagt, dabei die Erzählweise aber eigentlich Realismus zu vermitteln versucht. Ein Ausschnitt aus der ersten Hälfte des Buches:

  • Sanitäter fangen harmlosen Passanten ein, entführen ihn aus purer Langeweile mit ihrem Krankenwagen und weisen ihn in die Psychiatrie ein
  • Ein Sexabenteuer nach dem nächsten, Tom scheint ordentlich unter Druck zu stehen
  • Nebenbei hält er sich Kakerlaken als Haustiere über der eigenen Bar und spielt den Lachyoga Guide aus Spaß an der Sache
  • Ein Tandemsprung mit der nächsten Eroberung, der zu einer Außenladung und einem weiteren Sexabenteuer mit blutigen Spuren führt
  • Zwischendurch erschleicht er für sich und seine andere Angebetete den Eintritt zu einem P!nk Konzert mit Hilfe eines Rollstuhls
  • Ach ja, dann waren da noch die Obdachlosen, die er bezahlt um auf die Hochzeit eines unliebsamen Notarzt aufzutauchen
  • Hab ich schon Sexabenteuer erwähnt? Auf dem Rücksitz, während man zu einem nächtlichen BASE-Sprung fährt, inklusive postkoitalem Lachanfall – selbstredend kurz bevor man einen beinahe tödlichen Sprungunfall hat
  • Ein bis zum Rande mit Sexspielzeug gefüllter Rucksack, den die Frauen lieben, trotz ihres Wissens, dass er die Toys auch bei anderen „einsetzt“
  • Nach einem Noteinsatz (geköpfter Tourist an Autobahnraststätte!) fliegt Tom heimlich und ohne Fallschirm an den Kufen eines Rettungshelikopters über ganz München hinweg

2. Insbesondere war es aber der Haupt-Protagonist Tom, der mir als Paradebeispiel eines grenzenlosen Egoismus auf den Keks ging. Auch wenn die Szene egozentrisch sein mag, diese Art von Rücksichtslosigkeit ist doch leicht überzogen dargestellt.

Danke an den Heller Verlag, es ist schön wenn sich jemand findet der solche Nischenromane auch als Hardcover veröffentlicht.

Ich schließe ab mit einem Dankeschön an den Autoren Max Claro: man merkt der Geschichte an, dass Du viel Herzblut und eigene Abenteuer reingesteckt hast. Es wäre toll, wenn Du viele Leser mit dem Buch erreichst!

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Drei Monate im August

Geschrieben von Max Claro und erschienen bei Heller, Klaus

Ihr bekommt die Kindle Edition für ca. 15 € und das Hardcover für ca. 20 Euro. Vielleicht lest Ihr Euch auch die 5 Sterne Rezensionen bei Amazon durch, hilft ja manchmal bei der Entscheidungsfindung.

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Ich springe mit einem breiten Grinsen aus einem funktionierenden Flugzeug, bin süchtig nach Freefly, Internet, TV-Serien und den Wettervorhersagen fürs Wochenende ... in der Zeit dazwischen bastle ich an dieser Webseite.

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